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Das Songkran Fest

Der aus der alten Pali-Sprache stammende Begriff Sankhara ist von der Bedeutung her identisch mit dem aus dem Sanskrit stammenden Begriff Sankranti, und bedeutet der Beginn eines neuen Sonnenjahres, wobei damit der Eintritt der Sonne in ein neues Tierkreiszeichen gemeint ist. Deshalb vermutet man den Ursprung des heutigen Songkran-Festes im alten brahmanischen Indien. Es hat Ähnlichkeiten mit dem indischen Holi-Fest. Die Siamesen änderten später den Begriff Sankranti um ins siamesische Sangkran. Später wurde daraus Songgran in der siamesischen Aussprache und dann Songkran in der heutigen Schreibweise. Fast identisch ist es aber eher mit dem Wasserfest der Dai in Yunnan. (Siehe auch Beitrag "Das Wasserfest der Dai in Yunnan"), deshalb gibt es die zweite Vermutung, das dass frühere siamesische und heutige thailändische Songkran-Fest ursprünglich aus der jetzigen chinesischen Region Yunnan stammt.

Photo: 2Bangkok.com In früherer Zeiten wurde es auch einfach nur Wasserfest genannt, und es war Brauch, das sich die Menschen das mit Blumen geschmückte Wasser gegenseitig nur über die Schulter und Kopf zu gießen und sich dabei ein glückliches neues Jahr zu wünschen. Auch besagte ein alter Volksglaube, dass es, in der heißen Jahrszeit im April, von der Menge des am Songkran-Fest verspritzten Wassers die Niederschlags- (Regen-) menge des kommenden Jahres abhängt. Je mehr Wasser verschüttet wurde, desto mehr Regen würde es geben und umso besser fallen die Ernten im kommenden Jahr aus. Der Sinn des Festes ist es auch, den Körper und (symbolisch auch) die Seele zu reinigen und so erneuert in das neue Jahr einzutreten.

Weiterhin werden die Feiertage dazu genutzt, um auch Verwandte und Freunde zu besuchen und traditionell die Zeremonie Rod Naam Dam Hua zu pflegen. Die Jüngeren erweisen den Älteren dadurch ihre Ehrerbietung, indem sie ihnen duftendes Wasser über die Hände gießen. So ehren die Kindern damit die Eltern, die Eltern die Grosseltern, jüngere Familienangehörige die älteren Familienangehörige. Die Älteren in einer Familie streichen dann den Jüngeren mit der feuchten Hand über den Kopf und wünschen den Kindern und Enkeln dadurch viel Glück und Wohlstand für das neue kommende Jahr. Auch außerhalb von Familien wird diese Tradition gepflegt. So erweisen Jüngere den Älteren und Respektpersonen Ehrerbietung, indem sie ihnen ebenfalls duftendes Wasser über die Hände gießen. So also z.B. die Schüler dem Lehrpersonal und die Gläubigen den Mönchen. Die Jüngeren überreichen den Älteren und Respektpersonen auch kleine Geschenke und Blumen. Dadurch erhoffen sich die Jüngeren, das sie nicht nur im Sinne von Tham Bun einen kleinen weiteren Verdienst erwerben, sondern das ihnen auch für die Fehltaten im alten Jahr verziehen wird.

Jeder Tag des dreitätigen Festes hat eine eigene Bedeutung

Den ersten Tag nennt man Wan Sangkhan oder auch Wan Songkran. An diesem Tag werden im privaten Bereich die Wohnungen und Häuser gereinigt werden, ebenso die Buddhaaltäre. Man schmückt den Hausaltar und die Buddhafiguren mit frischen Blumen und Blumengirlanden, entzündet Kerzen und drei Rauchstäbchen und betet vor dem Buddhaaltar. Auch ist es Brauch, Buddhafiguren mit parfümiertes Wasser zu übergießen. Man nennt diese Zeremonie Song Nam Phra Putha Rup, das man mit "das Bildnis Buddha baden" übersetzen kann. Auch pilgert man zu den Buddha-Statuen in den umliegenden Wats, um diese ebenfalls mit Wasser übergießen. Auch ist es ein besonderer Verdienst, dabei zu helfen, in diesen Tagen einen Wat zu schmücken, zu reinigen oder bei der Instandsetzung zu helfen.

Im ganzen Land, besonders in den größeren Städten, gibt es Songkran-Paraden mit Festwagen, teilweise auch mit Elefanten und geschmückten Ochsenkarren, wobei die festliche Parade in Chiang Mai immer noch die spektakulärste seien soll. In farbenprächtigen Paraden sieht man geschmückte Festwagen, auf denen hübsche Frauen sitzen oder geschmückten Buddhafiguren stehen. Mit begleitenden Musik- und Tanzgruppen feiert man ausgelassen den Beginn des Songkran. Dabei lässt man natürlich nicht aus, sich gegenseitig reichlich mit Wasser zu beschütten.

Den zweiten Tag nennt man Wan Nao. An diesem ist man nicht nur unter Verwandten und Freunden, sondern wird auch an diesem Tag schon frühzeitig damit begonnen die Speisen für die buddhistische Feierlichkeiten für den dritten und letzten Tag vorzubereiten. Am letzten Tag wird nämlich den Mönchen Speisen und Geschenke überreicht.

An diesem Tag ist es auch Brauch, an den Ufern der Flüsse und Meere zu gehen, um dort Sand zu holen. Da nicht überall ausreichend, gar kein oder zu wenig Sand vorhanden ist, wird der Sand auch per LKW oder Pickup angeliefert. Aus Sand und Wasser formt man dann auf dem Gelände eines Wat oder in der Nähe eines Wat Sand-Chedis in unterschiedlicher Größe, die man Phrasai (Chedi) nennt. Phrasai ist die Abkürzung für Phra Chedi Sai. Zu diesem Anlass sind Kinder wie Erwachsene mit Begeisterung dabei, kleine, mittlere oder große Chedis, in einfacher Bauform oder auch in kunstvolle mehrstufigen Varianten aus Sand zu formen. Beliebt ist es auch, kleine helle und bunte Steinchen sowie Muscheln zur Verzierung zu nehmen. Dazu gibt es auch Verkaufsstände wo man die Utensilien für die Verzierung kaufen kann. Manche vergraben unter dem Sand-Chedi eine oder mehrere Münzen, um sich Wohlstand und Glück zu wünschen, die nach den Festlichkeiten gerne von den Kindern ausgebuddelt werden Geschmückt werden dann die vollendeten Sand-Chedis mit bunten Papierfahnen, Blumen, Kerzen, Rauchstäbchen sowie mit kleinen Stöckchen, an denen Geldscheine befestigt sind. Das Geld wird anschließend eingesammelt und dem jeweiligen Wat gespendet. Man entzündet die Kerzen und Rauchstäbchen und betet dann am Sand-Chedi. Jeder sieht darin nicht nur den Spaß, sondern betrachtet es auch als einen wertvollen Verdienst.

Den dritten Tag nennt man Wan Payawan. An diesem Tag werden im frühen Morgen in den Tempeln den Mönchen die Speisen gespendet. Aber auch andere Spenden wie neue Roben, Kerzen, Blumen, Rauchstäbchen, Haushaltsartikel und weitere Utensilien für den täglichen Gebrauch werden den Mönchen überreicht. Die Gläubigen übergießen die Hände der Mönche mit duftendem Wasser und die Mönche segnen anschließend die Gläubigen.

Aus dem einstigen ruhigen Wasserfest entstand das heutige Songkran, das immer Mitte April stattfindet. Dabei werden nicht nur traditionellen und religiösen Riten gepflegt, sondern es finden auch sehr temperamentvolle Wasserschlachten mit leidenschaftlichen Sanuk (Spass) statt. Dabei hat der bereits aufgeführte Sinn des Festes, auch den Körper und die Seele zu reinigen, heutzutage soweit großes Interesse und Fürsorge bei den Thais gefunden, das auch der anwesende Farang automatisch an dem Ritual teilnimmt. So wird bewusst der Thailand-Insider wie auch vielleicht unbewusst der ahnungslose Thailand-Neuling am Songkran-Fest ausgiebig mit Wasser bespritzt und begossen, ob er will oder nicht.

Deshalb sollte man sich als Farang, wie ein Ausländer allgemein bezeichnet wird, mit diesem Brauch abfinden und keinesfalls ärgerlich reagieren sondern mit kühlem Herz. Auch dann nicht, wenn sich gerade viele Jugendliche mit überdimensionierten Wasserpistolen einen Spaß daraus machen, die Touristen zu bespritzen, wobei der eigentliche Hintergrund, nämlich die Reinigung von Körper und Seele, sicherlich nur zur zweitrangiger Bedeutung wird und man sich eher über die vor Nässe triefenden Farangs lustig macht.

Bereiten Sie sich als Tourist an diesem Tage halt entsprechend vor, und ziehen Sie nicht gerade die besten Kleidungsstücke an. Wasser ist an diesem Tag keine Mangelware, also irgendein brauchbares Behältnis nehmen und einfach zurück spritzen. So werden Sie von den Thais sicherlich mit Freude akzeptiert werden. Sollte Ihnen das zuviel werden, hilft nur ein nasser Rückzug abseits aller Geschehnisse. Und Vorsicht vor Eiswasser, das einige Witzbolde immer parat haben, das kann bei erhöhten Temperaturen im April und in der Hitze des Gefechtes nicht jedem bekommen! Unbedacht könnte Ihnen ein ganzer Eimer Eiswasser mit Eiswürfel über denn Kopf geschüttet werden!

Wer zu dieser Zeit eines der vielen Klongboote in Bangkok benutzt, sollte, trotz Überdachung, auch damit rechnen, neben ganzen Kübel voller Wasser, besonders mit Wasser gefüllte Plastikbeutel oder Luftballons gezielt von Jugendlichen auf die Boote geworfen werden. So gab es dadurch auch schon Verletzungen an Augen und Ohren. Auch sollte beachtet werden, das es immer wieder auch zu zahlreichen Unfällen und Todesfällen kommt! Besonders sollte man auf vorbeifahrende Autos und Motorräder achten, die möglicherweise entweder mal keine Sicht vom vielen Wasser haben könnten, deren Fahrer abgelenkt sind oder durch unachtsame Teilnehmer und dem Gedränge auch mal eine Vollbremsung machen müssen und die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren könnten. Ebenso nicht glimpflich kann es ausgehen, einen Plastikbeutel mit Eiswasser und darin enthaltenen Eiswürfel ins Gesicht zu bekommen. Also bitte immer aufpassen, nicht alle nehmen Rücksicht!

Ziemlich ausgelassen feiert man Songkran besonders in Chiang Mai und wird immer noch als das Zentrum der Songkran-Festbräuche bezeichnet. Dort feiert man auch üblicherweise nicht 3 Tage sondern insgesamt 5 Tage, und es herrscht auch Jahrmarktsstimmung. In diesen 5 Tagen pilgern die Gläubigen zu den Wats um die Buddha-Figuren mit Wasser übergießen zu können und somit eine Verdienst zu erwerben. Auf zahlreichen Verkaufsständen werden lokale Produkte und Souvenirs angeboten, zahlreiche Garküchen versorgen die große Menschenmenge mit nordthailändischen Speisen. Dazu dürfen natürlich nicht die Misswahlen zur Miss Songkran fehlen und die Paraden, wo auch es eine Fahrradparade der hübschesten Frauen gibt, die auf Fahrrädern und mit Regenschirmen ausgerüstet vorbeiziehen. Es gibt auch moderne und traditionelle Musik- und Tanzvorführungen, Theatervorführungen, kulturelle Ausstellungen des nordthailändischen Handwerks, Tombolas, mobile riesige Kinoleinwände, wo von morgens bis abends Kinofilme laufen lassen, aber auch interessante Wettbewerbe. So gibt es u.a. einen Sand-Chedi-Wettbewerb, wer den schönsten Chedi aus Sand modelliert hat und Kochwettbewerbe der nordthailändischen Küche.

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