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Grosse Augen


Eine kleine Geschichte aus der Khao San Road


Mein erster Urlaub in Thailand neigt sich unerbittlich dem Ende zu. Gegen Mittag sind wir von Ko Samet in Richtung Bangkok aufgebrochen. Auf der Fahrt mit dem Minibus gerieten wir zweimal in ziemlich starke Regenschauer. Es war der erste Regen nach gut zwei Wochen.
Der Fahrer schien nur nach Gefühl zu fahren, beschützt durch die Blumenschleifen und Amulette am Innenspiegel. Die Schauer waren aber ziemlich schnell vorüber. Nach zwei kurzen Zwischenstopps erreichten wir gegen Abend die Khao San Road.

Ich hatte erstmal den Wunsch in ein Hotel zu kommen und dann mit einem Essen den Abend ausklingen zu lassen. Wir bestiegen also ein Tuk-Tuk und meine Frau erklärte dem Fahrer unseren Wunsch. Nach einer kurzen Fahrt hielten wir in irgendeiner dunklen Seitenstrasse. Ein Hotel, oder das was ich mir darunter vorstellte sah ich nicht. Aussteigen hier, schon garnicht. Irgendwie hatte der Fahrer da wohl eine andere Vorstellung im Kopf als ich. Ein kurzer Disput zwischen dem Fahrer und meiner Frau brachte Klarheit und die Fahrt ging weiter, endete vor einer großen Hotelanlage mit einem großen Singha-Beer-Garten. Rein vom Optischen entsprach das schon eher meinen Vorstellungen.

Beim Einschecken dann zuerst auch ein paar komische Blicke an der Rezeption. Aber nach einen kurzen Blick in unsere Pässe und der Verwunderung das ich mich mit meiner Frau auf Deutsch unterhalte, kamen dann ein paar Fragen, Woher wir aus Deutschland kämen, wie lange wir bleiben möchten, etc. Wir hatten geplant fünf Tage in Bangkok zu bleiben und einige der bekannten Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Eine Hotelangestellte bat uns unser Gepäck beiseite zu stellen und zeigte uns ein paar Zimmer im Hotel. Wir haben uns dann für ein recht großes, schönes Zimmer entschieden. Ein kurzer Anruf von ihr und unser Gepäck wurde nach oben gebracht. Kurz unter die Dusche und dann los.

Ich hatte mittlerweile ziemlich großen Hunger. Meine Frau hatte es sich aber in den Kopf gesetzt mir erst einmal die Khao San Road zu zeigen. Also ein Tuk-Tuk geentert und nach kurzer Zeit waren wir wieder da. Dort tobte natürlich das pralle Leben. Unzählige Strassenhändler, Musik aus den Lokalen und jede Menge Imbissstände. An einem beschloß ich mir ein paar Sateh Gai zu holen um den bohrenden Schmerz in der Magengegend etwas zu betäuben.

Da hatte ich nun endlich in der einen Hand meine Tüte mit der Cola und in der anderen Hand mein Essen, das zupft jemand hinten an meinem T-Shirt. Ich drehe mich um und sehe einen kleinen Jungen so ca. 7-8 Jahre alt der mich mit seinen grossen Augen ansah. Was er wollte war mir sofort in diesem Augenblick klar ohne abwarten zu müssen, das meine Frau seine Bitte übersetzt. Ich kaufte also noch eine Portion Reis dazu und gab alles weiter an den kleinen Jungen mit den grossen Augen. Er zog sich sofort in einen etwas ruhigeren Hauseingang zurück. In der Zwischenzeit hatte meine Frau mit dem Jungen etwas gesprochen und erzählte mir, das er hier auf seine Mutter warte und es manchmal sehr spät wird bis sie kommt.

Wir sind dann noch ein wenig durch die Khao San Road geschlendert und so 10 Minuten später steht der kleine Junge mit den großen Augen wieder vor mir. Ein kleines verschmitztes Lachen im Gesicht, schon etwas gesättigt aber nicht alleine. Hinter im eine Meute von 5-6 Kindern, alle so in seinem Alter, Jungen und Mädchen. Das Anliegen war klar und die Handzeichen des Jungen mit den grossen Augen eindeutig. Meine Frau erkundigte sich bei einer Strassenhändlerin und so zogen wir also mit der Meute im Schlepptau irgendwo um die Ecke in einen Imbiss. Es ist schon erstaunlich was die Rasselbande so an Essen verdrücken kann. Nach anfänglicher Zurückhaltung wurde dann meine Frau gerade von den Mädchen mit Fragen bombardiert. Mich schauten sich ein wenig scheu an. Das saß ich nun in mitten einer Kinderschar in kleinen, einfachen Imbiss irgendwo in Bangkok beim Abendessen. Irgendwie hatte ich mir einen romantischen Abend mit meiner Frau anders vorgestellt. Ein Junge rubbelte verstohlen mit seinem nassen Daumen an meinen Unterarm, wohl um zu prüfen, ob es unter dem Rot auch noch eine andere Farbe gibt. Die Mädchen übten sich als Kellnerin und schleppten immer weiter die kleinen himmelblauen und rosa Teller mit Essen heran. Nach gut einer Stunde schien dann auch das letzte Loch in den Bäuchen der Kinder gestopft zu sein. Meine Frau gab dann noch jedem Kind 20 Bath, die mit einem tiefen Wai dankend entgegen genommen wurde. Die Inhaberin unterhielt sich noch etwas mit meiner Frau und sie erzählte mir später das viele Kinder hier in der Khao San Road betteln.

Wir sind dann noch einmal durch die Khao San Road gelaufen, ich habe mir ein paar T-Shirts gekauft. Auf dem Rückweg auf der Suche nach einem Taxi oder Tuk Tuk sahen wir dann den kleinen Jungen. Er lag auf einer auseinander gefalteten Pappkiste an einer Strassenecke vor einem heruntergelassenen Rolladen und schlief. Was er heute wohl macht? Ich war später nie wieder in der Khao San Road.

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